Polizeilicher Schusswaffengebrauch gegen Personen

4. Mai 2026

Jetzt in Verbindung setzen

A. Einleitung

Medial ist der Einsatz der Schusswaffe durch die Polizei dauerpräsent, wenn dabei Menschen verletzt oder getötet werden. Gleichwohl gilt zu berücksichtigen, dass der Schusswaffengebrauch gegen Personen in absoluten Zahlen äußerst selten erfolgt. So wurden laut statista im Jahr 2025 in Deutschland 17 Personen durch die Polizei mit Schusswaffen getötet. Demgegenüber stehen 1.173 Tote in Amerika aufgrund des Einsatzes von Schusswaffen durch die Polizei. Der Großteil des Schusswaffeneinsatzes richtet sich im Übrigen gegen Tiere und Sachen, insbesondere das „Erlösen“ von Tieren erfolgt häufig durch die Schusswaffe.

Wissenslücken dürfen Polizeivollzugsbeamte in diesem Bereich dennoch nicht aufweisen, vielmehr muss im Notfall in wenigen (Bruchteilen von) Sekunden gehandelt werden. Auch an dieser Stelle gilt: Rechtssicherheit schafft Handlungssicherheit. Aus diesem Grunde werden nachfolgend die Voraussetzungen des Schusswaffeneinsatzes skizziert (B.), wobei freilich nicht alle Aspekte vollumfänglich behandelt werden können, und sodann die rechtlichen Konsequenzen des Schusswaffengebrauchs gegen Menschen kurz aufgezeigt (C.).

B. Schusswaffengebrauch gegen Personen

Der Schusswaffengebrauch ist in den jeweiligen Polizeigesetzen geregelt. Insbesondere muss ein Grund für den Schusswaffeneinsatz vorliegen, dieser angedroht werden oder die Androhung entbehrlich und der Schusswaffengebrauch verhältnismäßig sein.

Ⅰ. Bestehen eines Grundes

Die Gründe für den Schusswaffengebrauch gegen Personen sind in den Polizeigesetzen geregelt. Sie lassen sich nach der übergeordneten Zielrichtung des Schusswaffengebrauchs unterscheiden. Jeder Einsatz der Schusswaffe gegen Personen muss entweder der Angriffs- oder der Fluchtunfähigkeit dienen. Da der Großteil der Schusswaffengebräuche sich auf die Angriffsunfähigkeit bezieht, soll ausschließlich diese näher betrachtet werden.

1. Gezielt tödlicher Schusswaffeneinsatz

Die tragischste Form der Angriffsunfähigkeit ist der tödliche Schusswaffengebrauch, also das Absetzen des sogenannten finalen Rettungsschusses. Dies darf ausschließlich zur Angriffsunfähigkeit erfolgen, nicht zur Fluchtunfähigkeit. Freilich können Menschen auch sterben, wenn nicht mit Tötungsabsicht geschossen wurde. So käme etwa der Schusswaffengebrauch zur Fluchtunfähigkeit in Betracht, wobei der Fliehende im Moment der Schussabgabe stolpert, sodass ihn die Kugel tödlich trifft. Dann müssen die zusätzlichen Voraussetzungen für den tödlichen Schusswaffeneinsatz nicht vorliegen. Sofern Polizeivollzugsbeamte (zu diesem Aspekt) schweigen, klärt das in einem sich anschließenden Strafverfahren die Staatsanwaltschaft und später das Gericht anhand von Indizien auf. Dabei ist zu beachten, dass der Nachweis des Tötungsvorsatzes unter besonders hohen Voraussetzungen steht, weil dabei eine hohe Hemmschwelle überschritten werden muss (sog. „Hemmschwellentheorie“).

Einige Polizeigesetze regeln den tödlichen Schusswaffengebrauch explizit, etwa in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen oder Hessen. In Bundesländern, in denen sich keine Ermächtigungsgrundlage für den tödlichen Schusswaffengebrauch findet, kann der handelnde Polizeivollzugsbeamte nur nach den strafrechtlichen Bestimmungen gerechtfertigt sein, d.h. nach Notwehr/Nothilfe oder dem Notstand. Die jeweiligen im StGB statuierten Voraussetzungen müssen dann vorliegen.

In den anderen Bundesländern variieren die Regeln zwar teils. Weitestgehend sind diese aber insofern einheitlich als eine gegenwärtige Gefahr für Leben oder für eine schwerwiegende Verletzung der körperlichen Unversehrtheit vorliegen muss. Die Gegenwärtigkeit bedeutet, dass die genannten Rechtsgüter bereits verletzt sein müssen oder deren Verletzung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in unmittelbarer Zukunft vorliegen müssen. Während das Vorliegen der Lebensgefahr eindeutig ist, gilt dies nicht für die schwerwiegende Körperverletzung. Ein grober Maßstab dabei kann sich aus § 226 StGB ableiten lassen. Da es sich um eine Prognoseentscheidung handelt, die viele Variablen beinhaltet und eine künftige dynamische Situation bewertet werden muss, wird aber ohnehin regelmäßig nur das Vorliegen einer Lebensgefahr geprüft werden. Wenn also jemand beispielsweise mit einem Messer auf einen Polizeivollzugsbeamten mit den Worten „ich stech dich ab“ zuläuft, so muss nicht beurteilt werden, ob die in allernächster Zukunft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durchgeführten Stiche schwerwiegende Körperverletzungen darstellen würden. Denn diese sind jedenfalls lebensgefährlich.

2. Angriffsunfähigkeit

Um jemanden angriffsunfähig zu schießen kommen insbesondere Schüsse in den Beinbereich in Betracht. Als tatbestandliche Voraussetzung dafür muss, wenngleich die Details in den Polizeigesetzen marginal variieren, ebenfalls insbesondere die o.g. gegenwärtige Gefahr vorliegen. Daneben kommt etwa noch die unmittelbar bevorstehende Begehung oder Fortsetzung eines Verbrechens oder eines Vergehens unter Anwendung oder Mitführung von Schusswaffen in Betracht.

Noch einmal höhere Voraussetzungen bestehen in besonderen Konstellationen. Zunächst einmal, wenn Unbeteiligte durch den Schusswaffengebrauch mit hoher Wahrscheinlichkeit gefährdet werden. Unbeteiligte in diesem Zusammenhang sind, etwas verkürzt, jene, von denen die Gefahr nicht ausgeht. In einem auf die Polizei zufahrenden Auto wären dies regelmäßig die Beifahrer. Sofern diese also mit hoher Wahrscheinlichkeit gefährdet sind, stellen die Polizeigesetze noch einmal höhere, konkret die höchste Voraussetzung auf, unter welcher der Schusswaffengebrauch weiterhin zulässig ist. Dafür muss nämlich eine gegenwärtige Lebensgefahr vorliegen, d.h. die Gefahr erheblicher Körperverletzungen wäre nicht durch den Einsatz der Schusswaffe abwehrbar.

Ⅱ. Androhung des Schusswaffengebrauchs

Wichtig ist zunächst, dass im Zeitpunkt der Androhung bereits die Voraussetzungen für den Einsatz des Schusswaffengebrauchs (allgemeiner: des angedrohten Zwangsmittels) vorliegen müssen. Ansonsten ist die Androhung rechtswidrig.

Dabei werden die Konsequenzen der rechtswidrigen Androhung häufig verkannt. Dies stellt nämlich regelmäßig eine Nötigung nach § 240 StGB dar. Zwar ist der Unrechtsgehalt der Nötigung im Gefüge der StGB-Delikte nicht sonderlich hoch, gleichwohl führen sich dem Strafprozess anschließende Disziplinarverfahren zu Recht zu erheblichen Sanktionen.

Die Androhung des Schusswaffengebrauchs muss hinreichend bestimmt erfolgen, vgl. § 37 Abs. 1 VwVfG. Der Empfänger muss folglich nachvollziehen können, welches Zwangsmittel eingesetzt wird. Im besten Falle erfolgt dies verbal, wobei die Androhung „schießen“ oder „Schusswaffengebrauch“ beinhalten sollte.

Gleichwohl ist eine verbale Androhung teils nicht möglich. Dann kann diese konkludent erfolgen, sich also aus dem schlüssigen Verhalten der Polizeivollzugsbeamten ergeben. Das ist mit Blick auf die Bestimmtheit teil durchaus problematisch. Hinsichtlich der schussbereiten Haltung ist umstritten, ob dies eine taugliche Androhung sein kann. Pauschale Aussagen in diesem Bereich verbieten sich – anders als in Bezug auf Verwaltungsinnenrecht – aber auch deswegen, weil dies stets vom Empfängerhorizont abhängt. Jedenfalls eine – zumindest regelmäßig – unmissverständliche Androhung ist der Warnschuss. Das regeln manche Polizeigesetze explizit.

Wenn keine Androhung erfolgt ist, führt das noch nicht notwendigerweise zur Rechtswidrigkeit des Schusswaffengebrauchs. Denn diese kann entbehrlich sein. Das ist der Fall, wenn die Umstände eine Androhung nicht zulassen. Hauptanwendungsfall davon ist, wenn der sofortige Schusswaffengebrauch zur Abwehr der Gefahr nötig ist. Dies entspricht größtenteils den Voraussetzungen des gekürzten Verfahrens. Daneben kommt aber auch das Ausnutzen des polizeilichen Überraschungsmoments in Betracht. Wenn etwa ein finaler Rettungsschuss in den Kopf gegenüber einem Geiselnehmer erfolgen soll, dann kann dieser selbstverständlich nicht angedroht werden.

Ⅲ. Folgen des rechtswidrigen Schusswaffeneinsatzes

Schließlich muss der Schusswaffengebrauch – wie jede polizeiliche Maßnahme, die in Grundrechte eingreift – verhältnismäßig sein. Das legitime Ziel ist stets die Angriffs- oder Fluchtunfähigkeit und dem übergeordnet die Gefahrenabwehr oder Strafverfolgung. Auch hinsichtlich der Geeignetheit dürften sich selten Probleme ergeben.

Auf der Ebene der Erforderlichkeit werden jedoch von Gerichten viele Schusswaffengebräuche als rechtswidrig qualifiziert. Die Polizei ist verpflichtet, das mildeste unter gleich effektiven Zwangsmitteln auszuwählen. Da der Schusswaffengebrauch die ultima ratio innerhalb der Zwangsmittel ist, also keine (grundrechts)intensiveren Maßnahmen denkbar sind, ist an dieser Stelle eine besonders sorgfältige Prüfung angezeigt. Die Polizei muss grundsätzlich, sofern möglich, auch weniger wirksame Zwangsmaßnahmen (erfolglos) vorrangig eingesetzt haben. Lediglich wenn diese offensichtlich erfolglos wären, kann dies unterbleiben. Die Überprüfung hiervon ist mit enormen Schwierigkeiten verbunden. Denn vom (Straf- oder Verwaltungs)Gericht ist zu beurteilen, was hypothetisch passiert wäre, wenn ein anderes Zwangsmittel, etwa das Reizstoffsprühgerät, der Teleskopschlagstock o.Ä. eingesetzt worden wäre. Was ebenfalls immer milder ist, ist der taktische Rückzug und das Hinzurufen spezialisierter Kräfte. Das setzt aber voraus, dass dies auch gleich effektiv ist, um die Gefahr abzuwehren. Die Bewertung der Erforderlichkeit des Schusswaffengebrauchs füllt regelmäßig viele Seiten der Urteilsbegründung. Insofern ist der Spruch, dass man vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand wäre, zumindest nicht gänzlich von der Hand zu weisen.

Daneben muss der Schusswaffengebrauch auch angemessen sein. Dabei sind regelmäßig Leben der gefährdeten Personen gegen körperliche Unversehrtheit und ggf. auch das Leben der beschossenen Person abzuwägen. Auch wenn nicht mit Tötungsvorsatz geschossen wurde, ist dadurch dennoch in das Grundrecht auf Leben eingegriffen worden. Sofern die Person ausschließlich suizidal ist und keine anderen gefährdet, dürfte der Schusswaffengebrauch nicht angemessen sein.

C. Folgen des rechtswidrigen Schusswaffeneinsatzes

Neben der immensen psychischen Belastung, die bisweilen auch zur Dienstunfähigkeit führt, löst der Schusswaffengebrauch auch sofortige Ermittlungen gegen den handelnden Beamten aus. Deswegen sollten sich Beamte bereits vorab damit beschäftigen, wie sie sich in diesem Zusammenhang verhalten sollten. Gerade die mit dem Schweigerecht des Beschuldigten konfligierenden Berichtspflichten erfordern umfangreiche rechtliche Kenntnisse, wobei das an dieser Stelle nicht vertieft werden kann.

Strafrechtlich wird nach dem Schusswaffengebrauch ein Verfahren wegen (versuchter) gefährlicher Körperverletzung und/oder eines (versuchten) Tötungsdelikts eingeleitet. In diesem Verfahren werden umfangreich Beweise erhoben, also ggf. auch die Wohnung durchsucht, Datenträger sichergestellt usw. Sodann kann von der Staatsanwaltschaft gerichtlich angeklagt werden; das dürfte häufig der Fall sein, da ein hinreichender Tatverdacht besteht. Das parallel dazu eingeleitete Disziplinarverfahren wird regelmäßig ruhend gestellt, bis das Strafverfahren abgeschlossen ist.

In dem Strafverfahren ist zunächst von herausgehobener Bedeutung, einen Freispruch zu erhalten und nicht etwa eine Einstellung gegen (Geld)Auflage. Daneben, mindestens genau so bedeutsam, ist aus anwaltlicher Warte, darauf hinzuwirken, dass sich die Rechtfertigung nicht aus den strafrechtlichen Bestimmungen ergibt, sondern aus den polizeirechtlichen. Leider sind manche Strafverteidiger im Polizeirecht nicht versiert und haben auch nur ein sich auf die strafrechtliche Seite begrenztes Mandat. Auch dem Strafgericht fällt die Prüfung des Vorliegens der strafrechtlichen Rechtfertigung, regelmäßig gem. § 32 StGB, leichter.

Allerdings sind die Voraussetzungen der polizeirechtlichen Rechtfertigungsgründe enger als jene des § 32 StGB. Insbesondere ist bei der strafrechtlichen Rechtfertigung keine umfangreiche Verhältnismäßigkeitsprüfung erforderlich, s. dazu oben. Vielmehr muss das „Recht dem Unrecht nicht weichen.“ Sofern der Freispruch also allein auf einer StGB-Bestimmung erfolgt, ist noch nicht gerichtlich festgestellt, ob der Beamte auch rechtmäßig hinsichtlich der polizeirechtlichen Vorgaben gehandelt hat. Diese Prüfung erfolgt nun durch die Disziplinarbehörde. Ein derartiges Disziplinarverfahren kann sich durchaus lange ziehen, mit entsprechenden Konsequenzen, etwa Beförderungssperren, Versetzungen usw.

Schließlich kommt auch eine zivilrechtliche Haftung des die Schusswaffe einsetzenden Beamten in Betracht, der Geschädigte oder dessen Angehörige versuchen also Schadensersatzansprüche einzuklagen. Wenngleich zu bedenken gilt, dass grundsätzlich zunächst ein Staatshaftungsanspruch vom Geschädigten geltend gemacht wird, so bleibt ein Regress des Dienstherrn gegenüber dem Beamten anschließend möglich. Die dabei eingeklagten Summen können durchaus existenzbedrohend sein, d.h. zu einer Privatinsolvenz führen.

D. Fazit

Die Ausführungen haben aufgezeigt, dass sich Polizeivollzugsbeamte beim Schusswaffengebrauch gegen Personen, etwas überspitzt formuliert, mit einem Fuß im Gefängnis und mit einem Fuß im Grab befinden. Aus diesem Grund sind umfangreichste Kenntnisse unerlässlich, um im Ernstfall schnell und rechtssicher handeln zu können sowie unmittelbar nach dem Schusswaffengebrauch die ersten Grundsteine für erfolgreiche Gerichtsverfahren zu legen.

Weitere Beiträge zum polizeilichen Eingriffsrecht und seinen Grenzen: Belehrungspflicht bei der Identitätsfeststellung, Entsperren eines Mobiltelefons per Fingerabdruck sowie rechtsstaatswidrige Tatprovokation bei Verkehrskontrollen. Wer diese Materie prüfungssicher beherrschen will, findet in unseren juristischen Seminaren für Polizeischüler die passende Vorbereitung.

Über den Autor

Damir Rodić studierte Rechtswissenschaften an der Europa-Universität Viadrina und legte dort das Erste Staatsexamen mit Prädikat ab. Zudem erwarb er den akademischen Grad Bachelor of Laws (LL.B.), ebenfalls mit Prädikat.

Vor seinem Wechsel zur Staatsanwaltschaft war er mehrere Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der auf internationales Strafrecht spezialisierten Anwaltskanzlei Goran Rodić tätig.

Derzeit ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei einer Staatsanwaltschaft in der Abteilung für Kapitaldelikte beschäftigt. Darüber hinaus ist er seit über sieben Jahren als Privatrepetitor für Polizeistudierende tätig sowie Lehrbeauftragter für Strafrecht an der Europa-Universität Viadrina.

Zudem referiert Herr Rodić regelmäßig zu aktuellen rechtlichen Fragestellungen bei verschiedenen Landeskriminalämtern sowie bei polizeilichen Einsatzhundertschaften.

Damir Rodić — Akademische Leitung

Aktuelle Beiträge

Wer Kollegen deckt, riskiert alles: Entfernung wegen Strafvereitelung im Amt durch Wegschauen (VG Düsseldorf)
25. September 2026
VG Düsseldorf: Ein Dienstgruppenleiter deckt die Tat eines Untergebenen und wird aus dem Dienst entfernt, strenger als der Dienstherr selbst beantragt hatte.
Faustschläge gegen einen Gefesselten: Polizist verliert seinen Beamtenstatus (VG Ansbach)
18. September 2026
VG Ansbach: Schläge gegen einen gefesselten Mann kosten den Polizisten den Beamtenstatus. Die Frage nach der Body-Cam belegt Vorsatz und Planung.
Aufgeschlagenes rotes Gesetzbuch vor einem Laptop, Symbolbild zur KI-Täuschung in der Abschlussarbeit vor dem VG Berlin
10. September 2026
VG Berlin: KI-Täuschung in der Bachelorarbeit ohne Anscheinsbeweis. Sprachliche Indizien statt KI-Detektoren. Was das für das Polizeistudium bedeutet.
Aufgeschlagenes Gesetzbuch mit Paragraphen zu den §§ 113, 114 StGB und zur Belehrungspflicht bei der Identitätsfeststellung
30. Juli 2026
OLG Hamm: Die Belehrung über den Tatvorwurf bei der Identitätsfeststellung ist wesentliche Förmlichkeit. Ohne sie keine Strafbarkeit nach §§ 113, 114 StGB.
Schmerzensgeld für Berliner Polizeibeamte: Die Erfüllungsübernahme nach § 74a LBG Berlin
21. Juli 2026
Berliner Polizeibeamte haben nach § 74a LBG Berlin einen Anspruch auf Erfüllungsübernahme des Schmerzensgeldes durch den Dienstherrn. Voraussetzungen, Fristen und die Selbstbindung des Senats kompakt erklärt.
Ein Buch wurde aufgeschlagen, in welchem Paragraphen und Gesetzestexte stehen.
18. Mai 2026
Auch teilweise KI Nutzung ohne Kennzeichnung gilt als Täuschung. Das VG Kassel Urteil und seine Bedeutung für Bachelorarbeiten im Polizeistudium kompakt erklärt.
Abschlusszeugnis Berliner Polizei
7. April 2026
Nachhilfe für Berliner Polizeischüler an HWR und Polizeiakademie. Seit 2019 über 700 Absolventen erfolgreich vorbereitet. Strafrecht, Polizeirecht und mehr.
Nachhilfe im Polizeistudium: Wann sie sich lohnt und worauf Sie achten müssen
28. März 2026
Steigende Durchfallquoten im Polizeistudium: Wann sich professionelle Nachhilfe lohnt und worauf Sie bei der Wahl des Anbieters achten sollten.
Klassenzimmer mit Damir Rodic am unterrichten
24. März 2026
Mündliche Prüfung im Polizeistudium? Unsere Strafrecht-Simulation mit erfahrenen Juristen zeigt typische Fragen, Erwartungshorizonte und Strategien für sicheres Auftreten. Jetzt Video ansehen und gezielt vorbereiten.
Ein Buch wurde aufgeschlagen, in welchem Paragraphen und Gesetzestexte stehen.
3. November 2025
Erfahre, welche Ausbildungskosten im Polizeistudium steuerlich absetzbar sind und wie Polizeianwärterinnen und Polizeianwärter davon profitieren können.
Foto aus eine Klassenzimmer, mit Damir Rodic mittig stehend.
14. Oktober 2025
Hohe Durchfallquote an der HSPV NRW? Erfahre, wie du Strafrecht und Eingriffsrecht sicher bestehst - mit gezielter Vorbereitung und Fachwissen.
Ein Buch wird gelesen, vor einem Laptop.
7. Oktober 2025
Einstellung in den Polizeivollzugsdienst: Wie eingestellte Strafverfahren Zweifel an der persönlichen Eignung von Bewerbern begründen können.
Klassenzimmer mit Schülern, die vor einer Projektionsleinwand Notizen machen.
12. September 2025
Darf die Polizei das Handy per Fingerabdruck des Beschuldigten entsperren? Besprechung des Beschlusses des OLG Bremen vom 8.1.2025, Az. 1 ORs 26/24.
Aufgeschlagenes Buch auf dem Schreibtisch neben dem Laptop; eine Person liest.
von Damir Rodić • 12. September 2025
Aufgrund der Omnipräsenz von Smartphones und des Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts vom 24.7.2015 (Az.: 1 BvR 2501/13), wonach das Anfertigen von Videoaufnahmen eines Polizeieinsatzes keine nach §§ 22 Satz 1, 33 Abs. 1 KunstUrhG strafbaren Verletzung des Rechts am eigenen Bild ist, stellt sich schon seit längerem die Frage, ob Bürger Polizisten bei Einsätzen filmen dürfen oder sich dadurch gem. § 201 StGB (Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes) strafbar machen. Kernfrage ist, wann das gesprochene Wort bei einem in der Öffentlichkeit stattfindenden Polizeieinsatz nichtöffentlich ist. Dies ist höchstrichterlich bislang ungeklärt. Amts-, Land- und Oberlandesgerichte beurteilen dies unterschiedlich. Das wiederum führt zu Rechtsunsicherheit bei den Betroffenen und den Polizeibeamten. In einem Beschluss des Landgerichts Hanau (Beschl. v. 20.04.2023, Az.: 1 Qs 23/22) bewertete dieses eine nachfolgend geschilderte Sachverhaltskonstellation als nicht strafbar. Eine andere Kammer desselben Gerichts (Urt. v. 29.09.2023, Az.: 5 KLs – 3350 Js 16251/22) wich aber von der dortigen Argumentation ab und verurteilte den Filmenden. Die Begründung des (soweit ersichtlich: nicht veröffentlichten) Urteils bietet wenig Anlass zur Kritik.
Großes Klassenzimmer mit vielen Leuten, die an Schreibtischen sitzen und an Papieren und Laptops arbeiten.
von Damir Rodić • 12. September 2025
Seit stolzen vier Jahren sind wir an unserem hoch angesehenen Standort in Düsseldorf die verlässlichen Begleiter angehender Polizeikommissaranwärter der HSPV. Unabhängig davon, ob Sie sich noch im aufregenden Grundstudium befinden oder bereits tiefer ins Hauptstudium eingetaucht sind – wir stehen Ihnen zur Seite und sind fest entschlossen, Ihren Erfolg zu fördern. Unsere umfangreiche Expertise erstreckt sich über eine beeindruckende Bandbreite an Fachbereichen, darunter Eingriffsrecht, Staatsrecht, Strafrecht und Verkehrsrecht. Dank unserer langjährigen und tiefgehenden Erfahrung wissen wir genau, welche anspruchsvollen Anforderungen in Ihren Klausuren an Sie gestellt werden. Unsere gezielte Nachhilfe für die angehenden Polizeikräfte Nordrhein-Westfalens basiert auf einer soliden Grundlage aus theoretischem Wissen und praktischer Anwendung. So können Sie sich sicher sein, dass Sie bestmöglich vorbereitet sind. Die Herausforderungen des Polizeistudiums in Nordrhein-Westfalen sind uns bestens vertraut. Besonders im ersten Hauptstudium (HS1) erwarten Sie enorme Mengen an Lernstoff, die in kürzester Zeit bewältigt werden müssen. Wir sind uns dessen bewusst und haben mit Bedacht einen individuellen Lernplan entwickelt, der darauf abzielt, Sie optimal auf die bevorstehenden Klausuren im Dezember vorzubereiten. Ihr Erfolg ist unsere Motivation, und wir sind fest davon überzeugt, dass unser maßgeschneiderter Ansatz Sie zu Höchstleistungen führen wird. Tatsächlich können wir stolz verkünden, dass wir in den vergangenen vier Jahren mehr als 350 Schülern auf ihrem Weg zur Polizeikommissarin oder zum Polizeikommissar verholfen haben. Diese Erfolgsgeschichte treibt uns an, weiterhin unser Bestes zu geben und Sie bestmöglich zu unterstützen.  Vertrauen Sie auf unsere bewährte Expertise und lassen Sie uns gemeinsam Ihre Ausbildung unterstützen. Jeder Schritt auf Ihrem Weg ist uns wichtig, und wir sind hier, um sicherzustellen, dass Sie mit Selbstvertrauen und Wissen in Ihre berufliche Zukunft als Polizeibeamte starten können.
Laptop, Notizbuch, Telefon, Textmarker und Buch auf einem Schreibtisch.
von Damir Rodić • 12. September 2025
JusPol – Juristische Seminare für Polizeischüler – bietet Polizeischülern professionelle Nachhilfe an. Während ihres Vorbereitungsdienstes als Polizei- bzw. Kriminalkommissar oder als Kommissaranwärterinnen und -anwärter sind Polizeischüler häufig überfordert und beim Lernen ganz auf sich allein gestellt. Die sich hieraus ergebenden Defizite werden spätestens bei der Bearbeitung der jeweiligen Klausur oder Lernkontrolle sichtbar. Unsere Nachhilfe für Polizeischüler setzt genau hier an: neben dem Studium soll frühzeitig durch die individuelle JusPol-Nachhilfe das erfolgreiche Bestehen der Klausuren sichergestellt werden. Mit Spaß am Lernen werden im Rahmen von professionellen Polizeinachhilfeeinheiten der Lernstoff aufbereitet und durch die konkrete Anwendung vertieft. Durch das individuell zugeschnittene Konzept steht für die erfahrenen JusPol-Dozenten immer der Lernstoff des jeweiligen Bundeslands im Mittelpunkt. Die Profi-Nachhilfe von JusPol kann so optimal die Lern- und Prüfungsinhalte an der jeweiligen Hochschule der Polizei berücksichtigen.  Unzählige Polizeischüler konnten nachweislich mit der Unterstützung durch unseren Nachhilfeunterricht Bestnoten erreichen und sich so von den übrigen Mitschülern des Jahrgangs abheben. Die intensive und effektive Nachhilfe stellt gleichzeitig sicher, dass das erlernte Wissen auch zukünftig bei der Ausübung des Berufs vorhanden ist.
Person tippt auf Laptop mit EU-Flagge, Vorhängeschlosssymbol auf dem Bildschirm. Sitzen am Holztisch, Notizbuch, Telefon.
12. September 2025
Daten sind heute sehr wertvolle Ressourcen, gerne als „das neue Gold“ bezeichnet. Auch die Datenmengen wachsen stetig, Tendenz steigend. Auf der anderen Seite steigt aus diesem Grund das Interesse daran, zu erfahren, wer, wann, welche Daten verarbeitet und wer zu welchem Zweck Daten abfragt. Verschiedene Bundes- und Landesgesetze sehen deshalb Informationszugangs-, Auskunfts- und Akteneinsichtsansprüche vor, die die Daten verarbeitenden Stellen verpflichten – teilweise voraussetzungslos – entsprechende Auskünfte (z.B. IFG-Antrag) zu erteilen. Die Informationszugangs-, Auskunfts- und Akteneinsichtsansprüche sind deshalb Gegenstand zahlreicher Gerichtsentscheidungen geworden.
Laptop, Notizbuch, Telefon, Textmarker und Buch auf einem Schreibtisch.
von Damir Rodić • 12. September 2025
Die kürzlich getroffene Entscheidung des Berliner Senats, den „Schutzschirm“ auf das Sommersemester 2022 zu verlängern, dürfte unter der Studierendenschaft der HWR Berlin bzw. allgemein bei den etwa 200.000 Studierenden in Berlin zu einem kollektiven Aufatmen und Freude geführt haben. Der Senat beschloss durch Gesetz zur Fortschreibung des Berliner Hochschulrechts vom 5.7.2022, in Kraft getreten am 17.7.2022 (GVBl., S. 450), das Sommersemester in § 126b Berliner Hochschulgesetz mitaufzunehmen. Nach dieser Bestimmung gelten nicht bestandene Prüfungen als nicht unternommen, d.h. sie werden auf die Anzahl der möglichen Antritte vor dem endgültigen Nichtbestehen nicht angerechnet. Lediglich jene Prüfungsversuche, die nicht bestanden sind, weil getäuscht wurde, gelten als unternommen. Denn wer täuscht, soll sich nicht auf den „Schutzschirm“ berufen können. Begründet wurde dies ausweislich des Gesetzesentwurfs (AH-Drs. 19/0310) und der Plenumsdiskussion damit, dass die Folgen der Covid-19-Pandemie bislang noch nicht überstanden seien und deswegen ein Bedarf an Nachjustierung bestehe.  Die Hochschulleitung der HWR Berlin bzw. das Dekanat des Fachbereichs 3 teilt nun, anders als zuvor (s. dazu https://juspol.de/die-nichtbewertung-nicht-bestandener-pruefungen-in-der-coronazeit-gilt-auch-fuer-den-bachelorstudiengang-gehobener-polizeivollzugsdienst-an-der-hochschule-fuer-wirtschaft-und-recht-b/ ), die Rechtsauffassung des VG Berlin (Urteil v. 16.8.2021, Az.: VG 3 K 554/20), wonach dies auch für Prüfungen in Laufbahnstudiengängen gilt, insbesondere für den Bachelorstudiengang des gehobenen Polizeivollzugsdiensts. Verhältnismäßig spät, aber im Ergebnis begrüßenswert und mit guten Gründen, schafft der Senat mithin eine Kompensation für die coronabedingten schlechteren Lehr- und Lernbedingungen. Des Weiteren wird den Studierenden in Zeiten hoher psychischer Belastung aufgrund der aktuellen Geschehnisse, so weit wie möglich entgegengekommen. Wir begrüßen deswegen grundsätzlich diese Regelung. Zu befürchten ist aber, dass diese zu einer geringeren Lernmotivation seitens der Studierenden führen könnte. Deswegen sei Ihnen ans Herz gelegt, die anstehenden Prüfungen so wahrzunehmen, als würde der Versuch als unternommen gelten. Denn erfahrungsgemäß tun sich diejenigen, die nur halbherzig lernen und nicht bestehen, keinen Gefallen. Im kommenden oder in den kommenden Semestern hängen die nichtbestandenen Prüfungsleistungen nämlich nach und belasten zusätzlich. Das Studium ist zudem so konzipiert, dass in den höheren Semestern tendenziell schwierigere Prüfungsleistungen auf Sie zukommen. Ein „Aufschieben“ wird sich also nicht nur negativ auf die Noten und den Druck bei künftigen Klausuren auswirken, sondern kann zu dem endgültigen Nichtbestehen führen.
Aufgeschlagenes Buch auf dem Schreibtisch neben dem Laptop; eine Person liest.
12. September 2025
Das Sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen musste sich in einer aktuellen Entscheidung (OVG, Bautzen, Beschluss vom 13.06.2022 – 2 B 143/22 = BeckRS 2022, 14578) mit dem Rechtsmittel der Beschwerde eines Polizeikommissaranwärters befassen, der damit erreichen wollte, dass er wegen besonderer Härten zu einer zweiten Wiederholungsprüfung zugelassen wird.  Der Entscheidung lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Beschwerdeführer war Polizeikommissaranwärter und Studierender an der Hochschule der Sächsischen Polizei. Am 17.08.2021 nahm er an der mündlichen Wiederholungsprüfung in einem Studienmodul teil. Am 20.08.2021 wurde ihm durch Bescheid mitgeteilt, dass er diese Wiederholungsprüfung nicht bestanden habe. Gegen diesen Bescheid erhob der Beschwerdeführer Widerspruch und stellte unter Berufung auf besondere familiäre Belastungen sowie durch Corona bedingte Erschwernisse bei der Prüfungsvorbereitung einen Härtefallantrag nach § 45 Abs. 2 SächsAPOPol. Sowohl der Widerspruch als auch der Härtefallantrag wurden verworfen und das endgültige Nichtbestehen des Beschwerdeführers wurde festgestellt. Hiergegen geht der Beschwerdeführer im Klagewege vor. Darüber hinaus verfolgt der Beschwerdeführer sein Begehren auch im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes. Er trägt hierbei vor, dass die Vorbereitungszeit für die einzelnen Prüflinge unterschiedlich lang gewesen sei, dass der Prüfungsstoff verlassen worden und die Vorbereitung im Studium nicht ausreichend gewesen sei. Zudem müssten die ganz offensichtlichen und evidenten Belastungen durch die Corona-Pandemie berücksichtigt werden, da sich die Pandemie in erheblichem Umfang auf die einzelnen Lerninhalte und deren Vermittlung im Studium ausgewirkt habe. Außerdem liege auch in dem Umstand, dass er erst kurz vor der Prüfung von einer schweren Erkrankung seiner Ehefrau erfahren habe, eine besondere Härte. Dieses Vorbringen hatte in erster Instanz vor dem Verwaltungsgericht Dresden keinen Erfolg. In seiner Entscheidung legt das OVG Bautzen zunächst einmal den Prüfungsmaßstab für den Erlass einer einstweiligen Anordnung nach § 123 Abs. 1 S. 2 VwGO dar: danach bedarf es für deren Erlass sowohl eines Anordnungsanspruchs als auch eines Anordnungsgrundes. Den Anordnungsgrund erkennt das OVG in der Gefahr des Verlusts speziellen Prüfungswissens. Müsste der Beschwerdeführer erst die Entscheidung über seine Klage im Hauptsacheverfahren abwarten und gestattet man ihm solange nicht die vorläufige Teilnahme an der zweiten Wiederholungsprüfung, so droht in dieser Zeit, polizeispezifisches Prüfungswissen verloren zu gehen. Diesem Umstand kann durch die vorläufige Zulassung zur Wiederholungsprüfung auf einfache Art und Weise begegnet werden, sodass ein Anordnungsgrund vorliegt. Hinsichtlich des Anordnungsanspruches führt das OVG aus, dass dieser nicht im eventuellen Vorliegen von Verfahrensfehlern erblickt werden kann, denn solche seien nicht wirksam festgestellt worden. Die wirksame Feststellung solcher Verfahrensfehler scheitert im vorliegenden Fall daran, dass der Beschwerdeführer seine diesbezügliche Rügepflicht verletzt hat. Die Rechtsprechung (so z.B. auch der erkennende Senat des OVG Bautzen, Beschluss vom 25.09.2013 – 2 B 436/13, juris) verlangt in solchen Fällen, dass ein Mangel des Prüfungsverfahrens wegen des Gebots der Chancengleichheit grundsätzlich unverzüglich gerügt werden muss. Dies hat zwei Gründe: einerseits soll sich der Prüfling nicht dadurch, dass er die Prüfung absolviert und bei einem schlechten Prüfungsergebnis die Prüfung wegen Mängeln anficht, Vorteile verschaffen; anderseits soll der Prüfungsbehörde durch die Rügepflicht die Möglichkeit eröffnet werden, den Mangel selbst zeitnah überprüfen und dann korrigieren bzw. kompensieren zu können. Ein Mangel gilt demnach nur dann als unverzüglich gerügt, wenn er während oder unmittelbar nach der Prüfung geltend gemacht wird. Das Gericht betont in seiner Entscheidung nochmals ausdrücklich, dass die Rügepflicht unabhängig davon besteht, ob es hierzu eine ausdrückliche normative Regelung gibt. Da eine solche Rüge hier nicht erfolgt ist, konnte sich der Beschwerdeführer nicht auf etwaige Verfahrensfehler berufen und hatte deshalb auch keinen Anordnungsanspruch. Ein solcher Anordnungsanspruch ergab sich auch nicht daraus, dass der Prüfungsstoff verlassen worden wäre, da ein Studiengang für den gehoben Polizeivollzugsdienst eine selbstständige und eigenverantwortliche Erfüllung der Dienstpflichten als Polizist ermöglichen und ein problemorientiertes Denken fördern soll. Dies bedeutet aber auch, dass Prüfungsgegenstand nicht nur die bloße Reproduktion von Wissen oder die Demonstration nicht-autonomer Fähigkeiten sein können. Folglich konnte der Beschwerdeführer einen Anordnungsanspruch nicht auf sein diesbezügliches Vorbringen stützen. Allerdings ergab sich ein Anordnungsanspruch des Beschwerdeführers aus § 45 Abs. 2 S. 1 SächsAPOPol wegen Vorliegen eines besonderen Härtefalls. Nach dieser Norm muss einem Prüfungsbewerber die Möglichkeit einer zweiten Wiederholung der Prüfung eingeräumt werden, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass sein bisheriges Versagen in einer Ausnahmesituation wesentlich auch auf atypische leistungsmindernde Umstände zurückzuführen ist, die er nicht oder nur in geringem Maße zu vertreten hat (so auch VGH Baden-Württemberg, Beschluss v. 13.03.1996 – 4 S 1684/95, juris). Ein solcher Ausnahmefall setzt also das Vorliegen außergewöhnlicher, prüfungsrechtlich relevanter Umstände voraus, die vom Prüfling nicht zu beeinflussen oder sonst zu vertreten waren und sein Leistungsvermögen so erheblich beeinflusst haben, dass sein Prüfungsversagen darauf beruht. Im Gegensatz zur Bewertung einer Prüfungsleistung bedarf es bei der Feststellung einer besonderen Härte keiner von persönlichen Einschätzungen und Erfahrungen geprägten komplexen Bewertung wie bei der Prüfung, sondern lediglich einer sorgfältigen Abwägung der Umstände des Einzelfalls. Eine besondere Belastung ergibt sich dann regelmäßig beim Tod nächster Angehöriger, die kurz vor oder während der Prüfungs(vorbereitungs)phase versterben. Allerdings ist dies auf die nächsten Angehörigen begrenzt. Hierl lag mit der Nachricht von der schweren Erkrankung der Ehefrau eine solche besondere Härte vor. Das Vorliegen einer besonderen Härte führt zu einem Ermessen der Behörde hinsichtlich der Zulassung zur zweiten Wiederholungsprüfung. Dieses Ermessen kann aber unter Umständen auf Null reduziert sein, sodass dem jeweiligen Beschwerdeführer ein Rechtsanspruch auf erneute Zulassung zur Wiederholungsprüfung zusteht. Im Rahmen der Ermessensentscheidung ist eine Leistungsprognose vorzunehmen, die unter umfassender Einbeziehung aller möglicherweise das Leistungsbild des Prüflings beeinflussenden Umstände zu erstellen ist (OVG Bautzen, Urteil v. 28.04.2011 – 2 A 612/08, juris). Fällt diese Prognose nicht negativ aus (d.h. sie kann auch neutral ausfallen!) reduziert sich das Ermessden der Prüfungsbehörde auf Null und es entsteht ein entsprechender Rechtsanspruch aufgrund des Rechts des Prüflings auf gleichen Zugang zu öffentlichen Ämtern (Art. 33 Abs. 1 GG), seiner Berufsfreiheit (Art. 12 I GG) und seines Anspruchs auf Gleichbehandlung (Art. 3 I GG). Demnach besteht ein Ermessen der Prüfungsbehörde nur bei einer negativen Leistungsprognose. Aus der Entscheidung des Sächsischen OVG Bautzen folgen gleich mehrere wichtige Erkenntnisse: zunächst einmal ist die Entscheidung wegen vergleichbarer Regelungen in den jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungsordnungen auch auf andere Bundesländer übertragbar. Zum anderen bedeutet die Entscheidung, dass das Studium nicht automatisch mit der nicht bestandenen Wiederholungsprüfung enden muss! Liegen Prüfungsmängel oder besondere Härten vor, besteht die Möglichkeit eines zweiten Wiederholungsversuchs. Hierbei ist allerdings von eminenter Wichtigkeit, dass die jeweilige Rügepflicht beachtet und Mängel deshalb noch in der Prüfung gerügt werden. Geschieht dies nicht, ist eine Wiederholung nur noch bei Vorliegen besonderer Härten möglich, an die von der Rechtsprechung wegen des Gebots der Chancengleichheit hohe Hürden gestellt sind, bei deren Vorliegen sowie dem Vorliegen einer nicht negativen Leistungsprognose besteht aber ein aus den Grundrechten des Prüflings abgeleiteter Anspruch auf erneute Zulassung zur Wiederholungsprüfung.
Person liest ein Buch neben einem Laptop. Das Buch liegt auf einem Schreibtisch mit rotem Einband.
12. September 2025
Immer häufiger kommt es gerade im Rahmen von Demonstrationen oder anderen Polizeieinsätzen dazu, dass Foto- oder Videoaufnahmen von Polizistinnen angefertigt werden. Mit dem Smartphone sind diese schnell gemacht und noch schneller online verbreitet. Im Rahmen solcher Vorkommnisse stellt sich für die Betroffenen immer wieder die Frage, ob denn auch Polizistinnen ein gleichsam weitreichendes und schutzwürdiges Persönlichkeitsrecht haben, wie alle anderen Bürger auch. Wie diese Frage zu beantworten ist und unter welchen Voraussetzungen Bildaufnahmen das Persönlichkeitsrecht der Beamt*innen verletzen, soll Inhalt dieses Beitrags sein. Können sich Beamte überhaupt auf Grundrechte – also auch auf das Persönlichkeitsrecht – berufen?  Im Fall der Polizeibeamtinnen stellt sich die Frage, inwiefern solche sich überhaupt auf das Persönlichkeitsrecht als Grundrecht berufen können. Anknüpfungspunkt für diese Fragestellung ist die Annahme, dass Grundrechte funktional Abwehrrechte des einzelnen Bürgers gegen den Staat sind. Polizeibeamtinnen sind jedoch aufgrund ihres Näheverhältnisses zum Staat (sog. Sonderrechtsverhältnis) dem Staat besonders verpflichtet, so dass eine Berufung auf Grundrechte ihrer Funktion wiedersprechen würde (sog. Konfusionsargument). Während diese Argumentation früher äußerst gängig war, wird mittlerweile auch den Beamten die Berufung auf Grundrechte ermöglicht, wenn auch der Grundrechtsschutz in seiner Wirkung bei Beamten abgeschwächt ist. Rechtmäßigkeit von Bild- und Tonaufnahmen Bei der Anfertigung von Bildaufnahmen ist zwischen der zivilrechtlichen und der strafrechtlichen Dimension zu trennen. §§ 22, 23 KUGHinsichtlich der zivilrechtlichen Dimension richtet sich die Zulässigkeit von Bild- und Videoaufnahmen von Polizeibeamt*innen bei Einsätzen im Verhältnis zu Bürgern nach den §§ 22, 23 KUG. Danach dürfen Bildnisse grundsätzlich nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Bereits aus dem Wortlaut folgt, dass die bloße Anfertigung von Bildnissen noch nicht eine Einwilligung nach § 22 KUG voraussetzt, sondern nur die Verbreitung oder das öffentliche Zur-Schau-Stellen. Gegen das bloße Herstellen/Anfertigen einer Aufnahme kann damit allein aus der deliktischen Generalklausel des §§ 823 Abs. 1, 1004 Abs. 1 BGB analog i.V.m. Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG vorgegangen werden. Hierbei sind die betroffenen Rechtsgüter und Interessen im Einzelfall abzuwägen. Heimliche Bildaufnahmen sind hingegen regelmäßig nicht zu dulden. Aufnahmen auf Demonstrationen geschehen regelmäßig nicht heimlich, da auf Großveranstaltungen mit Foto- und Videoaufnahmen gerechnet werden muss. Sofern die Bilder verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden, bedarf es damit grundsätzlich der Einwilligung nach § 22 KUG. Diese kann im Einzelfall jedoch nach § 23 Abs. 1 KUG entbehrlich sein. Werden einzelne Polizeibeamtinnen auf einer Demonstration fotografiert, so kann es sich durchaus um ein Bildnis aus dem Bereich der Zeitgeschichte im Sinne von § 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG handeln, so dass eine Einwilligung nicht erforderlich ist. Dies gilt jedoch nur dann, wenn nicht ein bloß privates, sondern durchaus öffentliches Interesse verfolgt wird oder aus Gründen der Beweissicherung ggf. rechtswidriger polizeilicher Maßnahmen erfolgt. Portraitaufnahmen einzelner Polizistinnen sind hingegen unzulässig, da es regelmäßig am öffentlichen Interesse an einer solchen Aufnahme fehlt. Wird hingegen das Geschehen einer Demonstration aufgezeichnet und sind die Beamtinnen lediglich als Teilnehmende an der Veranstaltung zu erkennen, so greift regelmäßig die Ausnahme nach § 23 Abs. 1 Nr. 3 KUG, da es sich um Bilder von Versammlungen handelt, an denen die dargestellten Beamtinnen im weitesten Sinne teilgenommen haben. § 201a StGBHinsichtlich der strafrechtlichen Dimension ließe sich an § 201a StGB denken. Eine Strafbarkeit kommt jedoch nur dann in Betracht, wenn die Intim- oder Privatsphäre betroffen ist, also die fotografierte Person sich in einer Privatwohnung aufhält oder die Aufnahme besonders anstößig oder ehrverletzend ist. Bei Bildaufnahmen von Beamt*innen im Rahmen ihrer Einsätze dürften die Voraussetzungen regelmäßig nicht vorliegen. So urteilte das LG Osnabrück mit Beschluss vom 24.09.2021 (Az. 10 Qs 49/21), dass Bildaufnahmen im öffentlichen Raum regelmäßig straffrei sind. § 201 StGBSieht man sich den § 201 StGB an, so wird deutlich, dass es für die rechtliche Bewertung von Belang sein kann, ob es sich um eine bloße Bildaufnahme oder um eine Videoaufnahme mit Ton handelt. Denn die das gesprochene Wort schützende Strafnorm des § 201 StGB stellt nicht nur das Gebrauchen oder Zugänglichmachen unter Strafe, sondern auch die Anfertigung solcher Tonaufnahmen. Maßgeblich ist nach § 201 Abs. 1 Nr. 1 StGB, ob es sich um ein „nichtöffentlich“ gesprochenes Wort handelt. Dabei kann auch eine sog. faktische Öffentlichkeit genügen. Eine solche liegt dann vor, wenn der sich äußernde Beamte situationsbedingt damit rechnen muss, dass seine Äußerung auch von Dritten wahrgenommen wird. Dies dürfte bei Demonstrationen oder anderen Polizeieinsätzen häufig der Fall sein, muss aber im Einzelfall beurteilt werden. Bestehen Abwehransprüche der Polizeibeamt*innen? Abgesehen von einer etwaigen Strafbarkeit bestehen in zivilrechtlicher Hinsicht bei Bild- oder Videoaufnahmen Abwehransprüche der betroffenen Beamt*innen, sofern die o.g. Voraussetzungen vorliegen. Bei der Verbreitung und dem öffentlichen Zur-Schau-Stellen kommt ein Beseitigungsanspruch nach §§ 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 22 KUG im Wege der Naturalrestitution (§ 249 Abs. 1 BGB) in Betracht. Im Übrigen kann bei der bloßen Anfertigung von Aufnahmen auf die Generalklausel des § 823 Abs. 1, 1004 Abs. 1 (analog) BGB i.V.m. Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG zurückgegriffen werden, wobei der Anspruch auf Beseitigung und Unterlassung nicht schematisch besteht, sondern grundsätzlich eine Abwägung zwischen den kollidierenden Interessen voraussetzt. Bei besonders schweren Eingriffen in das Persönlichkeitsrecht der Beamt*innen können u.a. auch Geldentschädigungsansprüche gem. §§ 823 Abs. 1 BGB i.V.m. Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG bestehen.
Aufgeschlagenes Buch auf dem Schreibtisch neben dem Laptop; eine Person liest.
12. September 2025
Die aktuellen Entscheidungen des AG Frankfurt am Main (Urteil v 18.10.2021 – 975 Ds 3230 Js 217464/21, NZV 2022, 233) und des LG Flensburg (Beschluss v. 27.05.2021 – V Qs 17/21, BeckRS 2021, 13958) sollten zukünftige Polizeianwärterinnen und Polizeianwärter schon aufgrund des hohen Praxisbezuges kennen.  Vor allem in der Entscheidung des Amtsgerichts Frankfurt ging es schwerpunktmäßig um die Frage, ob das bloße Überholen eines „Einzelrasers“ durch eine Polizeistreife mit dem Ziel, das Fahrzeug zum Anhalten zwecks einer Kontrolle zu bringen, eine rechtsstaatswidrige Tatprovokation darstellt. Der Beschuldigte sah sich dem Vorwurf eines illegalen Kraftfahrzeugrennens (§ 315 d Abs. 1 Nr. 3 StGB) ausgesetzt und vertrat hierbei die Ansicht, er sei zu der Tat durch die Polizeibeamten provoziert worden. Konkret wollte eine Zivilstreife den Angeklagten einer polizeilichen Kontrolle unterziehen. Der hierfür eingeleitete Überholvorgang wurde von dem Angeklagten jedoch falsch aufgefasst. Er ging vielmehr von einem mutmaßlichen Rennkonkurrenten aus und beschleunigte entsprechend, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen. Die Zivilstreife wollte den Angeklagten durch den Überholvorgang nicht dazu verleiten, seinen Wagen zu beschleunigen. Das Gericht lehnte eine rechtsstaatswidrigen Tatprovokation im Ergebnis ab. Dementsprechend lag auch kein Verfahrenshindernis vor. Eine Tatprovokation ist danach unzulässig, wenn „dem Staat zurechenbare Akteure emotionalen oder sonstigen Druck ausüben, die Initiative ergreifen, ein Angebot zur Tatbegehung trotz Ablehnung erneuern oder insistieren“ (hierzu auch Nowrousian, NZV 2022, 233, 235). Unter Berücksichtigung dieser Voraussetzungen lehnte das Amtsgericht Frankfurt am Main eine rechtsstaatswidrige Tatprovokation ab, da es den handelnden Polizeibeamten lediglich darauf ankam, den Angeklagten anzuhalten. Das Gericht betont sogar, dass „selbst wenn die Polizeibeamten mit dem Vorsatz an dem Angeklagten vorbeigefahren wären, diesen zu einer Beschleunigung auf die höchstmögliche Geschwindigkeit zu provozieren, so hätte der Angeklagte sich durch dieses – objektiv neutrale Verhalten der Polizeibehörde des Überholens – nicht provozieren lassen dürfen.“ Immerhin könne es für den Angeklagten nicht anstiftend zu einem Kraftfahrzeugrennen wirken, sofern er überholt wird (hierzu auch Nowrousian, NZV 2022, 233, 235). Siehe auch vertiefend zur rechtsstaatswidrigen Tatprovokation Beukelmann, NJW-Spezial 2018, 568.

Cookie-Einstellungen

Wir nutzen Cookies, um unsere Website zu verbessern und Inhalte besser auf Sie abzustimmen. Sie entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen.

NotwendigImmer aktiv
AnalyseHilft uns, die Nutzung zu verstehen
_clckMicrosoft Clarity12 Monate
_clskMicrosoft Clarity1 Tag
CLIDMicrosoft Clarity12 Monate
MarketingFür personalisierte Werbung
FunktionalErweiterte Funktionen und Personalisierung
SonstigeNoch nicht klassifizierte Cookies
mm_c_4d89093e…JuSPol (diese Website)12 Monate