Schmerzensgeld für Berliner Polizeibeamte: Die Erfüllungsübernahme nach § 74a LBG Berlin

21. Juli 2026

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Wer als Berliner Polizeivollzugsbeamter im Dienst verletzt wird, hat gegen den Angreifer regelmäßig einen zivilrechtlichen Schmerzensgeldanspruch (§§ 823, 253 Abs. 2 BGB). Erwirkt der Beamte einen rechtskräftigen Titel, im Zivilprozess oder, prozessökonomisch überlegen, im Adhäsionsverfahren nach §§ 403 ff. StPO, bleibt die Vollstreckung häufig ohne Ergebnis: Der Täter ist zahlungsunfähig, unbekannt verzogen oder ins Insolvenzverfahren übergegangen. Für genau diese Konstellation sieht § 74a LBG Berlin eine Erfüllungsübernahme durch den Dienstherrn vor. Die Vorschrift konkretisiert die beamtenrechtliche Fürsorgepflicht (§ 45 BeamtStG, Art. 33 Abs. 5 GG); sie ist zugleich strenger ausgestaltet als die bundesrechtliche Parallelvorschrift des § 78a BBG.

I. Wortlaut und Systematik

§ 74a LBG Bln lautet auszugsweise:

(1) Hat die Beamtin oder der Beamte wegen eines tätlichen rechtswidrigen Angriffs, den sie oder er in Ausübung des Dienstes oder außerhalb des Dienstes wegen der Eigenschaft als Beamtin oder Beamter erleidet, einen rechtskräftig festgestellten Anspruch auf Schmerzensgeld gegen einen Dritten, kann der Dienstherr auf Antrag die Erfüllung dieses Anspruchs bis zur Höhe des festgestellten Schmerzensgeldbetrags übernehmen, soweit dies zur Vermeidung einer unbilligen Härte notwendig ist.

(2) Eine unbillige Härte liegt insbesondere vor, wenn die Vollstreckung über einen Betrag von mindestens 500 Euro erfolglos geblieben ist. […]

(3) Die Übernahme der Erfüllung ist innerhalb einer Ausschlussfrist von zwei Jahren nach Rechtskraft des Urteils schriftlich unter Nachweis mehrmalig fruchtlos gebliebener Vollstreckungen und anschließender Vermögensauskunft […] zu beantragen. […]

Die Norm läuft der Dienstunfallfürsorge (§§ 30 ff. LBeamtVG Bln) und dem primären Schadensersatzanspruch gegen den Täter parallel; nur wenn aufgrund desselben Sachverhalts Unfallausgleich (§ 35 LBeamtVG Bln), eine einmalige Unfallentschädigung (§ 43 LBeamtVG Bln) oder ein Schadensausgleich in besonderen Fällen (§ 43a LBeamtVG Bln) gewährt wird, kann der Dienstherr die Übernahme verweigern (§ 74a Abs. 2 Satz 2 LBG Bln).

II. Voraussetzungen im Überblick

Anknüpfungstat. Erforderlich ist ein tätlicher rechtswidriger Angriff, also eine auf einen physischen Schaden gerichtete Handlung mit objektiv unmittelbarer räumlich-zeitlicher Gefährdung und subjektiver Zielrichtung (zur wortlautgleichen Fassung des Art. 97 Abs. 1 Satz 1 BayBG: VGH München, BeckRS 2022, 3146). Reine Beleidigungen, Bedrohungen ohne physische Einwirkung oder verkehrsbedingte Verletzungen bei einer Verfolgungsfahrt ohne finalen Angriff sind nicht erfasst (VG München, Urt. v. 06.10.2021, M 5 K 19.5579). Auf der subjektiven Seite genügt bedingter Vorsatz; die lediglich bewusst fahrlässig begangene Körperverletzung ist dagegen kein tätlicher Angriff (zur wortlautparallelen Vorschrift des § 80a Abs. 1 LBG BW: VGH Mannheim, Urt. v. 27.06.2023, 4 S 1858/22).

Dienstbezug. Der Angriff muss in Ausübung des Dienstes oder außerhalb desselben wegen der Beamteneigenschaft erfolgt sein.

Titel. Erforderlich ist ein rechtskräftiges Endurteil. Ausreichend sind auch das nicht angegriffene Versäumnisurteil nach §§ 704, 708 Nr. 2 ZPO (zu § 78a BBG: VG Berlin, Urt. v. 02.12.2022, VG 26 K 27/22, BeckRS 2022, 36871) und das nach § 406b Satz 1 StPO wie ein Zivilurteil vollstreckbare Adhäsionsurteil. Nicht ausreichend ist der Vollstreckungsbescheid (BVerwG, Beschl. v. 12.01.2023, 2 B 38.22, BeckRS 2023, 5322, zu § 82a LBG NRW; die Entscheidung ist auf alle wortlautparallelen Landesnormen übertragbar). Einen gerichtlichen Vergleich nach § 794 Abs. 1 Nr. 1 ZPO stellt § 74a Abs. 1 Satz 2 LBG Bln selbst gleich, sobald er unwiderruflich und der Höhe nach angemessen ist. Nur in dieser Vergleichskonstellation darf der Dienstherr die Angemessenheit der Schmerzensgeldhöhe prüfen (vgl. VG Würzburg, BeckRS 2022, 7233); die Angemessenheit eines durch Urteil, auch Adhäsionsurteil, zuerkannten Schmerzensgeldes nachzuprüfen, ist ihm dagegen verwehrt und wäre ermessensfehlerhaft (VGH Mannheim, Urt. v. 27.06.2023, 4 S 1858/22, BeckRS 2023, 36272).

Vollstreckung. § 74a Abs. 3 LBG Bln verlangt kumulativ mehrfache Vollstreckungsversuche, die Abnahme der Vermögensauskunft nach § 802c ZPO und weitere Pfändungsmaßnahmen auf Grundlage des Vermögensprotokolls. Diese Nachweiskette ist zeit- und kostenintensiv.

Mindestbetrag und Frist. Der uneinbringliche Betrag muss mindestens 500 Euro erreichen; der Antrag ist innerhalb einer zweijährigen Ausschlussfrist ab Rechtskraft schriftlich bei der obersten Dienstbehörde (bzw. der Personalabteilung des Polizeipräsidiums Berlin) zu stellen. Das Fristversäumnis führt zum endgültigen Anspruchsverlust. Da der Fristlauf mit der Rechtskraft beginnt und nicht davon abhängt, dass die Vollstreckungsbemühungen bereits abgeschlossen sind, gilt: Wer die aufwendige Nachweiskette nicht binnen zwei Jahren abschließen kann, sollte den Antrag fristwahrend stellen und die Nachweise nachreichen.

III. Der Berliner Sonderweg im Vergleich zum Bund

Im Vergleich zum bundesrechtlichen § 78a BBG stellt sich § 74a LBG Bln in vier Punkten strenger dar:

Kriterium§ 78a BBG (Bund)§ 74a LBG Bln (Berlin)
AnknüpfungstatVorsätzliche Verletzung (Körper, Gesundheit, Freiheit, sex. Selbstbestimmung)Tätlicher Angriff (engere Fassung, wie Bayern)
Rechtsfolge„soll“ (gebundene Entscheidung)„kann“ (Ermessensvorschrift)
Mindestbetrag250 Euro500 Euro
VollstreckungsnachweisEin Versuch der VollstreckungMehrfache Vollstreckungen + Vermögensauskunft + weitere Pfändungen

Die engere Anknüpfungstat schließt einen Teil der praktisch relevanten Übergriffsformen aus dem Schutzbereich aus. Besonderes Gewicht hat der doppelt so hohe Mindestbetrag: Der Regierungsentwurf zu § 78a BBG sah zunächst ebenfalls eine Schwelle von 500 Euro vor; der Innenausschuss des Bundestages senkte sie auf die Kritik der Gewerkschaft der Polizei hin auf 250 Euro ab, um den Kreis der Begünstigten zu erweitern (BT-Drs. 18/9078, S. 5). Hintergrund war die von der GdP im Gesetzgebungsverfahren vorgetragene Erfahrung, dass rund 30 Prozent aller einschlägigen Schmerzensgeldtitel, für die typischen Verletzungsbilder polizeilicher Widerstandshandlungen wie Platzwunden, Blutergüsse und Schädelprellungen, unterhalb von 500 Euro bleiben (vgl. Badenhausen-Fähnle, in: BeckOK Beamtenrecht Bund, BBG § 78a). Berlin hält damit an einer Bagatellgrenze fest, die der Bundesgesetzgeber bewusst verworfen hat. Die verschärfte Nachweiskette der Vollstreckung ist bundesweit die strengste ihrer Art.

IV. Selbstbindung des Senats aus Drucksache 19/17600

Für die Beratungspraxis entscheidend ist die, bisher wenig beachtete, Antwort der Senatsverwaltung für Finanzen vom 22.12.2023 auf eine Schriftliche Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus (Drs. 19/17600). Sie enthält drei bemerkenswerte Feststellungen.

Erstens qualifiziert der Senat § 74a LBG Bln ausdrücklich als Koppelungsvorschrift: Der unbestimmte Rechtsbegriff der „unbilligen Härte“ auf Tatbestandsseite bindet das Ermessen auf Rechtsfolgenseite. Bei Vorliegen der Tatbestandsvoraussetzungen bestehe „in der Regel eine Ermessensreduzierung auf Null“; eine ablehnende Entscheidung setze „besondere Umstände im konkreten Einzelfall“ voraus. Die Kann-Ausgestaltung ist damit im Ergebnis weitgehend nivelliert, der Berliner Beamte hat praktisch einen Rechtsanspruch, dessen Ablehnung nach § 114 Satz 1 VwGO gerichtlich überprüfbar ist.

Zweitens verweist der Senat auf die Ausführungsvorschriften über Rechtsschutzmaßnahmen in Zivil- und Strafsachen für Bedienstete des Landes Berlin (AV Rechtsschutz) vom 18.05.2016 (ABl. Berlin S. 1166), fortgeführt durch das Rundschreiben Nr. 34-2021 vom 14.05.2021. Nach III. 3.1 Abs. 5 und 6 AV Rechtsschutz kann Polizei- und Justizvollzugsbeamten ein Darlehen für Rechtsschutzmaßnahmen zur Durchsetzung von Schmerzensgeldansprüchen gewährt werden. Diese Regelung entlastet den Beamten vom Vorfinanzierungsrisiko der aufwendigen Vollstreckungskette und mildert damit die Härte der Nachweisanforderungen des § 74a Abs. 3 LBG Bln erheblich. Ihre Kenntnis ist für die Beratungspraxis unverzichtbar.

Drittens räumt der Senat ein, dass das Landesverwaltungsamt Berlin, zentraler Personaldienstleister im Shared Service, bis Ende 2023 „bislang nicht“ mit einem Fall der Schmerzensgeldübernahme befasst war und landesweit keine belastbaren Daten zu Antragszahlen, Bewilligungsquoten oder aufgewendeten Mitteln erhoben werden. Die Norm läuft damit praktisch weitgehend leer, vermutlich weniger wegen ihrer Restriktivität als wegen mangelnder Kenntnis auf Seiten der Betroffenen. Für Personalräte und Gewerkschaften eröffnet sich hier ein klares Handlungsfeld: Aufklärung, Information, Einzelfallberatung.

Tarifbeschäftigte des Landes Berlin sind vom Anwendungsbereich des § 74a LBG Bln ausgeschlossen (Antwort zu Frage 9); die AV Rechtsschutz gilt jedoch auch für sie.

V. Praktisches Vorgehen

Für die anwaltliche und gewerkschaftliche Beratung empfiehlt sich ein gestuftes Vorgehen:

  1. Nach dem Angriff: Dienstunfallmeldung, ärztliches Attest, Strafanzeige (§§ 113, 114, 223 ff. StGB), Sicherung von Body-Cam-Aufzeichnungen und Zeugen; Adhäsionsantrag nach § 404 Abs. 1 StPO, in der Hauptverhandlung noch bis zum Beginn der Schlussvorträge möglich, sinnvollerweise aber frühzeitig gestellt.
  2. Nach Rechtskraft: Vollstreckungsauftrag, Vermögensauskunft nach § 802c ZPO, weitere Pfändungsmaßnahmen; parallel Antrag auf Darlehen nach III. 3.1 Abs. 5, 6 AV Rechtsschutz zur Kostenentlastung.
  3. Antrag nach § 74a LBG Bln: schriftlich bei der Personalabteilung des Polizeipräsidiums Berlin unter Vorlage von Urteil (Vollstreckungsklausel), Vollstreckungsdokumenten, Dienstunfallmeldung und Sachverhaltsdarstellung; die zweijährige Ausschlussfrist ist strikt zu wahren. Bei Ablehnung Widerspruch (§ 54 Abs. 2 BeamtStG i.V.m. §§ 68 ff. VwGO), sodann Verpflichtungsklage vor dem VG Berlin (§ 52 Nr. 4 VwGO) unter Bezugnahme auf die Selbstbindung des Senats aus Drs. 19/17600 (Ermessensreduzierung auf Null).

VI. Bewertung

§ 74a LBG Bln ist eine Vorschrift mit zwei Gesichtern. Ihr Wortlaut bleibt hinter § 78a BBG und den Regelungen mehrerer anderer Länder zurück; ihre Verwaltungspraxis wird durch die Selbstbindung des Senats und die AV Rechtsschutz jedoch erheblich entschärft. Für den betroffenen Beamten heißt das: Der Anspruch ist substantieller, als der Gesetzestext vermuten lässt, und er ist regelmäßig einklagbar. Rechtssicherheit entsteht gleichwohl nicht durch Verwaltungspraxis, sondern durch klare gesetzliche Regelungen; eine legislative Angleichung an den Bundesstandard (Herabsetzung des Mindestbetrags auf 250 Euro, Umgestaltung zur Sollvorschrift, Lockerung der Nachweisanforderungen) bleibt angezeigt.

Zudem zeigt § 82a Abs. 4 LBG NRW, dass sich auch die in Berlin bislang gänzlich ungeregelte Konstellation des schuldunfähigen, und damit zivilrechtlich regelmäßig nicht haftenden, Angreifers gesetzlich auffangen lässt. Bemerkenswert ist, dass der Senat die Wirksamkeit der Norm nicht evaluiert, ein Instrument der Fürsorge ohne belastbare Datengrundlage verdient rechtspolitische Aufmerksamkeit. Bis zu einer Novellierung sind die Berliner Polizeibeamten auf sorgfältige juristische Beratung, lückenlose Dokumentation und rechtzeitige Antragstellung angewiesen. Wer die Norm und die begleitende AV Rechtsschutz nicht kennt, verschenkt regelmäßig einen berechtigten Anspruch. Der vorliegende Beitrag soll dazu beitragen, dass dies nicht geschieht.

Weitere Beiträge zu den dienstrechtlichen und finanziellen Folgen des Polizeiberufs: Belehrungspflicht bei der Identitätsfeststellung, steuerliche Absetzbarkeit von Ausbildungskosten sowie IFG-Antrag und Auskunftsansprüche gegen den Staat. Die strafrechtlichen Grundlagen dazu vermittelt unsere Nachhilfe für Berliner Polizeischüler.

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Aufgrund der Omnipräsenz von Smartphones und des Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts vom 24.7.2015 (Az.: 1 BvR 2501/13), wonach das Anfertigen von Videoaufnahmen eines Polizeieinsatzes keine nach §§ 22 Satz 1, 33 Abs. 1 KunstUrhG strafbaren Verletzung des Rechts am eigenen Bild ist, stellt sich schon seit längerem die Frage, ob Bürger Polizisten bei Einsätzen filmen dürfen oder sich dadurch gem. § 201 StGB (Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes) strafbar machen. Kernfrage ist, wann das gesprochene Wort bei einem in der Öffentlichkeit stattfindenden Polizeieinsatz nichtöffentlich ist. Dies ist höchstrichterlich bislang ungeklärt. Amts-, Land- und Oberlandesgerichte beurteilen dies unterschiedlich. Das wiederum führt zu Rechtsunsicherheit bei den Betroffenen und den Polizeibeamten. In einem Beschluss des Landgerichts Hanau (Beschl. v. 20.04.2023, Az.: 1 Qs 23/22) bewertete dieses eine nachfolgend geschilderte Sachverhaltskonstellation als nicht strafbar. Eine andere Kammer desselben Gerichts (Urt. v. 29.09.2023, Az.: 5 KLs – 3350 Js 16251/22) wich aber von der dortigen Argumentation ab und verurteilte den Filmenden. Die Begründung des (soweit ersichtlich: nicht veröffentlichten) Urteils bietet wenig Anlass zur Kritik.
Großes Klassenzimmer mit vielen Leuten, die an Schreibtischen sitzen und an Papieren und Laptops arbeiten.
von Damir Rodić • 12. September 2025
Seit stolzen vier Jahren sind wir an unserem hoch angesehenen Standort in Düsseldorf die verlässlichen Begleiter angehender Polizeikommissaranwärter der HSPV. Unabhängig davon, ob Sie sich noch im aufregenden Grundstudium befinden oder bereits tiefer ins Hauptstudium eingetaucht sind – wir stehen Ihnen zur Seite und sind fest entschlossen, Ihren Erfolg zu fördern. Unsere umfangreiche Expertise erstreckt sich über eine beeindruckende Bandbreite an Fachbereichen, darunter Eingriffsrecht, Staatsrecht, Strafrecht und Verkehrsrecht. Dank unserer langjährigen und tiefgehenden Erfahrung wissen wir genau, welche anspruchsvollen Anforderungen in Ihren Klausuren an Sie gestellt werden. Unsere gezielte Nachhilfe für die angehenden Polizeikräfte Nordrhein-Westfalens basiert auf einer soliden Grundlage aus theoretischem Wissen und praktischer Anwendung. So können Sie sich sicher sein, dass Sie bestmöglich vorbereitet sind. Die Herausforderungen des Polizeistudiums in Nordrhein-Westfalen sind uns bestens vertraut. Besonders im ersten Hauptstudium (HS1) erwarten Sie enorme Mengen an Lernstoff, die in kürzester Zeit bewältigt werden müssen. Wir sind uns dessen bewusst und haben mit Bedacht einen individuellen Lernplan entwickelt, der darauf abzielt, Sie optimal auf die bevorstehenden Klausuren im Dezember vorzubereiten. Ihr Erfolg ist unsere Motivation, und wir sind fest davon überzeugt, dass unser maßgeschneiderter Ansatz Sie zu Höchstleistungen führen wird. Tatsächlich können wir stolz verkünden, dass wir in den vergangenen vier Jahren mehr als 350 Schülern auf ihrem Weg zur Polizeikommissarin oder zum Polizeikommissar verholfen haben. Diese Erfolgsgeschichte treibt uns an, weiterhin unser Bestes zu geben und Sie bestmöglich zu unterstützen.  Vertrauen Sie auf unsere bewährte Expertise und lassen Sie uns gemeinsam Ihre Ausbildung unterstützen. Jeder Schritt auf Ihrem Weg ist uns wichtig, und wir sind hier, um sicherzustellen, dass Sie mit Selbstvertrauen und Wissen in Ihre berufliche Zukunft als Polizeibeamte starten können.
Laptop, Notizbuch, Telefon, Textmarker und Buch auf einem Schreibtisch.
von Damir Rodić • 12. September 2025
JusPol – Juristische Seminare für Polizeischüler – bietet Polizeischülern professionelle Nachhilfe an. Während ihres Vorbereitungsdienstes als Polizei- bzw. Kriminalkommissar oder als Kommissaranwärterinnen und -anwärter sind Polizeischüler häufig überfordert und beim Lernen ganz auf sich allein gestellt. Die sich hieraus ergebenden Defizite werden spätestens bei der Bearbeitung der jeweiligen Klausur oder Lernkontrolle sichtbar. Unsere Nachhilfe für Polizeischüler setzt genau hier an: neben dem Studium soll frühzeitig durch die individuelle JusPol-Nachhilfe das erfolgreiche Bestehen der Klausuren sichergestellt werden. Mit Spaß am Lernen werden im Rahmen von professionellen Polizeinachhilfeeinheiten der Lernstoff aufbereitet und durch die konkrete Anwendung vertieft. Durch das individuell zugeschnittene Konzept steht für die erfahrenen JusPol-Dozenten immer der Lernstoff des jeweiligen Bundeslands im Mittelpunkt. Die Profi-Nachhilfe von JusPol kann so optimal die Lern- und Prüfungsinhalte an der jeweiligen Hochschule der Polizei berücksichtigen.  Unzählige Polizeischüler konnten nachweislich mit der Unterstützung durch unseren Nachhilfeunterricht Bestnoten erreichen und sich so von den übrigen Mitschülern des Jahrgangs abheben. Die intensive und effektive Nachhilfe stellt gleichzeitig sicher, dass das erlernte Wissen auch zukünftig bei der Ausübung des Berufs vorhanden ist.
Person tippt auf Laptop mit EU-Flagge, Vorhängeschlosssymbol auf dem Bildschirm. Sitzen am Holztisch, Notizbuch, Telefon.
12. September 2025
Daten sind heute sehr wertvolle Ressourcen, gerne als „das neue Gold“ bezeichnet. Auch die Datenmengen wachsen stetig, Tendenz steigend. Auf der anderen Seite steigt aus diesem Grund das Interesse daran, zu erfahren, wer, wann, welche Daten verarbeitet und wer zu welchem Zweck Daten abfragt. Verschiedene Bundes- und Landesgesetze sehen deshalb Informationszugangs-, Auskunfts- und Akteneinsichtsansprüche vor, die die Daten verarbeitenden Stellen verpflichten – teilweise voraussetzungslos – entsprechende Auskünfte (z.B. IFG-Antrag) zu erteilen. Die Informationszugangs-, Auskunfts- und Akteneinsichtsansprüche sind deshalb Gegenstand zahlreicher Gerichtsentscheidungen geworden.
Laptop, Notizbuch, Telefon, Textmarker und Buch auf einem Schreibtisch.
von Damir Rodić • 12. September 2025
Die kürzlich getroffene Entscheidung des Berliner Senats, den „Schutzschirm“ auf das Sommersemester 2022 zu verlängern, dürfte unter der Studierendenschaft der HWR Berlin bzw. allgemein bei den etwa 200.000 Studierenden in Berlin zu einem kollektiven Aufatmen und Freude geführt haben. Der Senat beschloss durch Gesetz zur Fortschreibung des Berliner Hochschulrechts vom 5.7.2022, in Kraft getreten am 17.7.2022 (GVBl., S. 450), das Sommersemester in § 126b Berliner Hochschulgesetz mitaufzunehmen. Nach dieser Bestimmung gelten nicht bestandene Prüfungen als nicht unternommen, d.h. sie werden auf die Anzahl der möglichen Antritte vor dem endgültigen Nichtbestehen nicht angerechnet. Lediglich jene Prüfungsversuche, die nicht bestanden sind, weil getäuscht wurde, gelten als unternommen. Denn wer täuscht, soll sich nicht auf den „Schutzschirm“ berufen können. Begründet wurde dies ausweislich des Gesetzesentwurfs (AH-Drs. 19/0310) und der Plenumsdiskussion damit, dass die Folgen der Covid-19-Pandemie bislang noch nicht überstanden seien und deswegen ein Bedarf an Nachjustierung bestehe.  Die Hochschulleitung der HWR Berlin bzw. das Dekanat des Fachbereichs 3 teilt nun, anders als zuvor (s. dazu https://juspol.de/die-nichtbewertung-nicht-bestandener-pruefungen-in-der-coronazeit-gilt-auch-fuer-den-bachelorstudiengang-gehobener-polizeivollzugsdienst-an-der-hochschule-fuer-wirtschaft-und-recht-b/ ), die Rechtsauffassung des VG Berlin (Urteil v. 16.8.2021, Az.: VG 3 K 554/20), wonach dies auch für Prüfungen in Laufbahnstudiengängen gilt, insbesondere für den Bachelorstudiengang des gehobenen Polizeivollzugsdiensts. Verhältnismäßig spät, aber im Ergebnis begrüßenswert und mit guten Gründen, schafft der Senat mithin eine Kompensation für die coronabedingten schlechteren Lehr- und Lernbedingungen. Des Weiteren wird den Studierenden in Zeiten hoher psychischer Belastung aufgrund der aktuellen Geschehnisse, so weit wie möglich entgegengekommen. Wir begrüßen deswegen grundsätzlich diese Regelung. Zu befürchten ist aber, dass diese zu einer geringeren Lernmotivation seitens der Studierenden führen könnte. Deswegen sei Ihnen ans Herz gelegt, die anstehenden Prüfungen so wahrzunehmen, als würde der Versuch als unternommen gelten. Denn erfahrungsgemäß tun sich diejenigen, die nur halbherzig lernen und nicht bestehen, keinen Gefallen. Im kommenden oder in den kommenden Semestern hängen die nichtbestandenen Prüfungsleistungen nämlich nach und belasten zusätzlich. Das Studium ist zudem so konzipiert, dass in den höheren Semestern tendenziell schwierigere Prüfungsleistungen auf Sie zukommen. Ein „Aufschieben“ wird sich also nicht nur negativ auf die Noten und den Druck bei künftigen Klausuren auswirken, sondern kann zu dem endgültigen Nichtbestehen führen.
Aufgeschlagenes Buch auf dem Schreibtisch neben dem Laptop; eine Person liest.
12. September 2025
Das Sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen musste sich in einer aktuellen Entscheidung (OVG, Bautzen, Beschluss vom 13.06.2022 – 2 B 143/22 = BeckRS 2022, 14578) mit dem Rechtsmittel der Beschwerde eines Polizeikommissaranwärters befassen, der damit erreichen wollte, dass er wegen besonderer Härten zu einer zweiten Wiederholungsprüfung zugelassen wird.  Der Entscheidung lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Beschwerdeführer war Polizeikommissaranwärter und Studierender an der Hochschule der Sächsischen Polizei. Am 17.08.2021 nahm er an der mündlichen Wiederholungsprüfung in einem Studienmodul teil. Am 20.08.2021 wurde ihm durch Bescheid mitgeteilt, dass er diese Wiederholungsprüfung nicht bestanden habe. Gegen diesen Bescheid erhob der Beschwerdeführer Widerspruch und stellte unter Berufung auf besondere familiäre Belastungen sowie durch Corona bedingte Erschwernisse bei der Prüfungsvorbereitung einen Härtefallantrag nach § 45 Abs. 2 SächsAPOPol. Sowohl der Widerspruch als auch der Härtefallantrag wurden verworfen und das endgültige Nichtbestehen des Beschwerdeführers wurde festgestellt. Hiergegen geht der Beschwerdeführer im Klagewege vor. Darüber hinaus verfolgt der Beschwerdeführer sein Begehren auch im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes. Er trägt hierbei vor, dass die Vorbereitungszeit für die einzelnen Prüflinge unterschiedlich lang gewesen sei, dass der Prüfungsstoff verlassen worden und die Vorbereitung im Studium nicht ausreichend gewesen sei. Zudem müssten die ganz offensichtlichen und evidenten Belastungen durch die Corona-Pandemie berücksichtigt werden, da sich die Pandemie in erheblichem Umfang auf die einzelnen Lerninhalte und deren Vermittlung im Studium ausgewirkt habe. Außerdem liege auch in dem Umstand, dass er erst kurz vor der Prüfung von einer schweren Erkrankung seiner Ehefrau erfahren habe, eine besondere Härte. Dieses Vorbringen hatte in erster Instanz vor dem Verwaltungsgericht Dresden keinen Erfolg. In seiner Entscheidung legt das OVG Bautzen zunächst einmal den Prüfungsmaßstab für den Erlass einer einstweiligen Anordnung nach § 123 Abs. 1 S. 2 VwGO dar: danach bedarf es für deren Erlass sowohl eines Anordnungsanspruchs als auch eines Anordnungsgrundes. Den Anordnungsgrund erkennt das OVG in der Gefahr des Verlusts speziellen Prüfungswissens. Müsste der Beschwerdeführer erst die Entscheidung über seine Klage im Hauptsacheverfahren abwarten und gestattet man ihm solange nicht die vorläufige Teilnahme an der zweiten Wiederholungsprüfung, so droht in dieser Zeit, polizeispezifisches Prüfungswissen verloren zu gehen. Diesem Umstand kann durch die vorläufige Zulassung zur Wiederholungsprüfung auf einfache Art und Weise begegnet werden, sodass ein Anordnungsgrund vorliegt. Hinsichtlich des Anordnungsanspruches führt das OVG aus, dass dieser nicht im eventuellen Vorliegen von Verfahrensfehlern erblickt werden kann, denn solche seien nicht wirksam festgestellt worden. Die wirksame Feststellung solcher Verfahrensfehler scheitert im vorliegenden Fall daran, dass der Beschwerdeführer seine diesbezügliche Rügepflicht verletzt hat. Die Rechtsprechung (so z.B. auch der erkennende Senat des OVG Bautzen, Beschluss vom 25.09.2013 – 2 B 436/13, juris) verlangt in solchen Fällen, dass ein Mangel des Prüfungsverfahrens wegen des Gebots der Chancengleichheit grundsätzlich unverzüglich gerügt werden muss. Dies hat zwei Gründe: einerseits soll sich der Prüfling nicht dadurch, dass er die Prüfung absolviert und bei einem schlechten Prüfungsergebnis die Prüfung wegen Mängeln anficht, Vorteile verschaffen; anderseits soll der Prüfungsbehörde durch die Rügepflicht die Möglichkeit eröffnet werden, den Mangel selbst zeitnah überprüfen und dann korrigieren bzw. kompensieren zu können. Ein Mangel gilt demnach nur dann als unverzüglich gerügt, wenn er während oder unmittelbar nach der Prüfung geltend gemacht wird. Das Gericht betont in seiner Entscheidung nochmals ausdrücklich, dass die Rügepflicht unabhängig davon besteht, ob es hierzu eine ausdrückliche normative Regelung gibt. Da eine solche Rüge hier nicht erfolgt ist, konnte sich der Beschwerdeführer nicht auf etwaige Verfahrensfehler berufen und hatte deshalb auch keinen Anordnungsanspruch. Ein solcher Anordnungsanspruch ergab sich auch nicht daraus, dass der Prüfungsstoff verlassen worden wäre, da ein Studiengang für den gehoben Polizeivollzugsdienst eine selbstständige und eigenverantwortliche Erfüllung der Dienstpflichten als Polizist ermöglichen und ein problemorientiertes Denken fördern soll. Dies bedeutet aber auch, dass Prüfungsgegenstand nicht nur die bloße Reproduktion von Wissen oder die Demonstration nicht-autonomer Fähigkeiten sein können. Folglich konnte der Beschwerdeführer einen Anordnungsanspruch nicht auf sein diesbezügliches Vorbringen stützen. Allerdings ergab sich ein Anordnungsanspruch des Beschwerdeführers aus § 45 Abs. 2 S. 1 SächsAPOPol wegen Vorliegen eines besonderen Härtefalls. Nach dieser Norm muss einem Prüfungsbewerber die Möglichkeit einer zweiten Wiederholung der Prüfung eingeräumt werden, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass sein bisheriges Versagen in einer Ausnahmesituation wesentlich auch auf atypische leistungsmindernde Umstände zurückzuführen ist, die er nicht oder nur in geringem Maße zu vertreten hat (so auch VGH Baden-Württemberg, Beschluss v. 13.03.1996 – 4 S 1684/95, juris). Ein solcher Ausnahmefall setzt also das Vorliegen außergewöhnlicher, prüfungsrechtlich relevanter Umstände voraus, die vom Prüfling nicht zu beeinflussen oder sonst zu vertreten waren und sein Leistungsvermögen so erheblich beeinflusst haben, dass sein Prüfungsversagen darauf beruht. Im Gegensatz zur Bewertung einer Prüfungsleistung bedarf es bei der Feststellung einer besonderen Härte keiner von persönlichen Einschätzungen und Erfahrungen geprägten komplexen Bewertung wie bei der Prüfung, sondern lediglich einer sorgfältigen Abwägung der Umstände des Einzelfalls. Eine besondere Belastung ergibt sich dann regelmäßig beim Tod nächster Angehöriger, die kurz vor oder während der Prüfungs(vorbereitungs)phase versterben. Allerdings ist dies auf die nächsten Angehörigen begrenzt. Hierl lag mit der Nachricht von der schweren Erkrankung der Ehefrau eine solche besondere Härte vor. Das Vorliegen einer besonderen Härte führt zu einem Ermessen der Behörde hinsichtlich der Zulassung zur zweiten Wiederholungsprüfung. Dieses Ermessen kann aber unter Umständen auf Null reduziert sein, sodass dem jeweiligen Beschwerdeführer ein Rechtsanspruch auf erneute Zulassung zur Wiederholungsprüfung zusteht. Im Rahmen der Ermessensentscheidung ist eine Leistungsprognose vorzunehmen, die unter umfassender Einbeziehung aller möglicherweise das Leistungsbild des Prüflings beeinflussenden Umstände zu erstellen ist (OVG Bautzen, Urteil v. 28.04.2011 – 2 A 612/08, juris). Fällt diese Prognose nicht negativ aus (d.h. sie kann auch neutral ausfallen!) reduziert sich das Ermessden der Prüfungsbehörde auf Null und es entsteht ein entsprechender Rechtsanspruch aufgrund des Rechts des Prüflings auf gleichen Zugang zu öffentlichen Ämtern (Art. 33 Abs. 1 GG), seiner Berufsfreiheit (Art. 12 I GG) und seines Anspruchs auf Gleichbehandlung (Art. 3 I GG). Demnach besteht ein Ermessen der Prüfungsbehörde nur bei einer negativen Leistungsprognose. Aus der Entscheidung des Sächsischen OVG Bautzen folgen gleich mehrere wichtige Erkenntnisse: zunächst einmal ist die Entscheidung wegen vergleichbarer Regelungen in den jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungsordnungen auch auf andere Bundesländer übertragbar. Zum anderen bedeutet die Entscheidung, dass das Studium nicht automatisch mit der nicht bestandenen Wiederholungsprüfung enden muss! Liegen Prüfungsmängel oder besondere Härten vor, besteht die Möglichkeit eines zweiten Wiederholungsversuchs. Hierbei ist allerdings von eminenter Wichtigkeit, dass die jeweilige Rügepflicht beachtet und Mängel deshalb noch in der Prüfung gerügt werden. Geschieht dies nicht, ist eine Wiederholung nur noch bei Vorliegen besonderer Härten möglich, an die von der Rechtsprechung wegen des Gebots der Chancengleichheit hohe Hürden gestellt sind, bei deren Vorliegen sowie dem Vorliegen einer nicht negativen Leistungsprognose besteht aber ein aus den Grundrechten des Prüflings abgeleiteter Anspruch auf erneute Zulassung zur Wiederholungsprüfung.
Person liest ein Buch neben einem Laptop. Das Buch liegt auf einem Schreibtisch mit rotem Einband.
12. September 2025
Immer häufiger kommt es gerade im Rahmen von Demonstrationen oder anderen Polizeieinsätzen dazu, dass Foto- oder Videoaufnahmen von Polizistinnen angefertigt werden. Mit dem Smartphone sind diese schnell gemacht und noch schneller online verbreitet. Im Rahmen solcher Vorkommnisse stellt sich für die Betroffenen immer wieder die Frage, ob denn auch Polizistinnen ein gleichsam weitreichendes und schutzwürdiges Persönlichkeitsrecht haben, wie alle anderen Bürger auch. Wie diese Frage zu beantworten ist und unter welchen Voraussetzungen Bildaufnahmen das Persönlichkeitsrecht der Beamt*innen verletzen, soll Inhalt dieses Beitrags sein. Können sich Beamte überhaupt auf Grundrechte – also auch auf das Persönlichkeitsrecht – berufen?  Im Fall der Polizeibeamtinnen stellt sich die Frage, inwiefern solche sich überhaupt auf das Persönlichkeitsrecht als Grundrecht berufen können. Anknüpfungspunkt für diese Fragestellung ist die Annahme, dass Grundrechte funktional Abwehrrechte des einzelnen Bürgers gegen den Staat sind. Polizeibeamtinnen sind jedoch aufgrund ihres Näheverhältnisses zum Staat (sog. Sonderrechtsverhältnis) dem Staat besonders verpflichtet, so dass eine Berufung auf Grundrechte ihrer Funktion wiedersprechen würde (sog. Konfusionsargument). Während diese Argumentation früher äußerst gängig war, wird mittlerweile auch den Beamten die Berufung auf Grundrechte ermöglicht, wenn auch der Grundrechtsschutz in seiner Wirkung bei Beamten abgeschwächt ist. Rechtmäßigkeit von Bild- und Tonaufnahmen Bei der Anfertigung von Bildaufnahmen ist zwischen der zivilrechtlichen und der strafrechtlichen Dimension zu trennen. §§ 22, 23 KUGHinsichtlich der zivilrechtlichen Dimension richtet sich die Zulässigkeit von Bild- und Videoaufnahmen von Polizeibeamt*innen bei Einsätzen im Verhältnis zu Bürgern nach den §§ 22, 23 KUG. Danach dürfen Bildnisse grundsätzlich nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Bereits aus dem Wortlaut folgt, dass die bloße Anfertigung von Bildnissen noch nicht eine Einwilligung nach § 22 KUG voraussetzt, sondern nur die Verbreitung oder das öffentliche Zur-Schau-Stellen. Gegen das bloße Herstellen/Anfertigen einer Aufnahme kann damit allein aus der deliktischen Generalklausel des §§ 823 Abs. 1, 1004 Abs. 1 BGB analog i.V.m. Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG vorgegangen werden. Hierbei sind die betroffenen Rechtsgüter und Interessen im Einzelfall abzuwägen. Heimliche Bildaufnahmen sind hingegen regelmäßig nicht zu dulden. Aufnahmen auf Demonstrationen geschehen regelmäßig nicht heimlich, da auf Großveranstaltungen mit Foto- und Videoaufnahmen gerechnet werden muss. Sofern die Bilder verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden, bedarf es damit grundsätzlich der Einwilligung nach § 22 KUG. Diese kann im Einzelfall jedoch nach § 23 Abs. 1 KUG entbehrlich sein. Werden einzelne Polizeibeamtinnen auf einer Demonstration fotografiert, so kann es sich durchaus um ein Bildnis aus dem Bereich der Zeitgeschichte im Sinne von § 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG handeln, so dass eine Einwilligung nicht erforderlich ist. Dies gilt jedoch nur dann, wenn nicht ein bloß privates, sondern durchaus öffentliches Interesse verfolgt wird oder aus Gründen der Beweissicherung ggf. rechtswidriger polizeilicher Maßnahmen erfolgt. Portraitaufnahmen einzelner Polizistinnen sind hingegen unzulässig, da es regelmäßig am öffentlichen Interesse an einer solchen Aufnahme fehlt. Wird hingegen das Geschehen einer Demonstration aufgezeichnet und sind die Beamtinnen lediglich als Teilnehmende an der Veranstaltung zu erkennen, so greift regelmäßig die Ausnahme nach § 23 Abs. 1 Nr. 3 KUG, da es sich um Bilder von Versammlungen handelt, an denen die dargestellten Beamtinnen im weitesten Sinne teilgenommen haben. § 201a StGBHinsichtlich der strafrechtlichen Dimension ließe sich an § 201a StGB denken. Eine Strafbarkeit kommt jedoch nur dann in Betracht, wenn die Intim- oder Privatsphäre betroffen ist, also die fotografierte Person sich in einer Privatwohnung aufhält oder die Aufnahme besonders anstößig oder ehrverletzend ist. Bei Bildaufnahmen von Beamt*innen im Rahmen ihrer Einsätze dürften die Voraussetzungen regelmäßig nicht vorliegen. So urteilte das LG Osnabrück mit Beschluss vom 24.09.2021 (Az. 10 Qs 49/21), dass Bildaufnahmen im öffentlichen Raum regelmäßig straffrei sind. § 201 StGBSieht man sich den § 201 StGB an, so wird deutlich, dass es für die rechtliche Bewertung von Belang sein kann, ob es sich um eine bloße Bildaufnahme oder um eine Videoaufnahme mit Ton handelt. Denn die das gesprochene Wort schützende Strafnorm des § 201 StGB stellt nicht nur das Gebrauchen oder Zugänglichmachen unter Strafe, sondern auch die Anfertigung solcher Tonaufnahmen. Maßgeblich ist nach § 201 Abs. 1 Nr. 1 StGB, ob es sich um ein „nichtöffentlich“ gesprochenes Wort handelt. Dabei kann auch eine sog. faktische Öffentlichkeit genügen. Eine solche liegt dann vor, wenn der sich äußernde Beamte situationsbedingt damit rechnen muss, dass seine Äußerung auch von Dritten wahrgenommen wird. Dies dürfte bei Demonstrationen oder anderen Polizeieinsätzen häufig der Fall sein, muss aber im Einzelfall beurteilt werden. Bestehen Abwehransprüche der Polizeibeamt*innen? Abgesehen von einer etwaigen Strafbarkeit bestehen in zivilrechtlicher Hinsicht bei Bild- oder Videoaufnahmen Abwehransprüche der betroffenen Beamt*innen, sofern die o.g. Voraussetzungen vorliegen. Bei der Verbreitung und dem öffentlichen Zur-Schau-Stellen kommt ein Beseitigungsanspruch nach §§ 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 22 KUG im Wege der Naturalrestitution (§ 249 Abs. 1 BGB) in Betracht. Im Übrigen kann bei der bloßen Anfertigung von Aufnahmen auf die Generalklausel des § 823 Abs. 1, 1004 Abs. 1 (analog) BGB i.V.m. Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG zurückgegriffen werden, wobei der Anspruch auf Beseitigung und Unterlassung nicht schematisch besteht, sondern grundsätzlich eine Abwägung zwischen den kollidierenden Interessen voraussetzt. Bei besonders schweren Eingriffen in das Persönlichkeitsrecht der Beamt*innen können u.a. auch Geldentschädigungsansprüche gem. §§ 823 Abs. 1 BGB i.V.m. Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG bestehen.
Aufgeschlagenes Buch auf dem Schreibtisch neben dem Laptop; eine Person liest.
12. September 2025
Die aktuellen Entscheidungen des AG Frankfurt am Main (Urteil v 18.10.2021 – 975 Ds 3230 Js 217464/21, NZV 2022, 233) und des LG Flensburg (Beschluss v. 27.05.2021 – V Qs 17/21, BeckRS 2021, 13958) sollten zukünftige Polizeianwärterinnen und Polizeianwärter schon aufgrund des hohen Praxisbezuges kennen.  Vor allem in der Entscheidung des Amtsgerichts Frankfurt ging es schwerpunktmäßig um die Frage, ob das bloße Überholen eines „Einzelrasers“ durch eine Polizeistreife mit dem Ziel, das Fahrzeug zum Anhalten zwecks einer Kontrolle zu bringen, eine rechtsstaatswidrige Tatprovokation darstellt. Der Beschuldigte sah sich dem Vorwurf eines illegalen Kraftfahrzeugrennens (§ 315 d Abs. 1 Nr. 3 StGB) ausgesetzt und vertrat hierbei die Ansicht, er sei zu der Tat durch die Polizeibeamten provoziert worden. Konkret wollte eine Zivilstreife den Angeklagten einer polizeilichen Kontrolle unterziehen. Der hierfür eingeleitete Überholvorgang wurde von dem Angeklagten jedoch falsch aufgefasst. Er ging vielmehr von einem mutmaßlichen Rennkonkurrenten aus und beschleunigte entsprechend, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen. Die Zivilstreife wollte den Angeklagten durch den Überholvorgang nicht dazu verleiten, seinen Wagen zu beschleunigen. Das Gericht lehnte eine rechtsstaatswidrigen Tatprovokation im Ergebnis ab. Dementsprechend lag auch kein Verfahrenshindernis vor. Eine Tatprovokation ist danach unzulässig, wenn „dem Staat zurechenbare Akteure emotionalen oder sonstigen Druck ausüben, die Initiative ergreifen, ein Angebot zur Tatbegehung trotz Ablehnung erneuern oder insistieren“ (hierzu auch Nowrousian, NZV 2022, 233, 235). Unter Berücksichtigung dieser Voraussetzungen lehnte das Amtsgericht Frankfurt am Main eine rechtsstaatswidrige Tatprovokation ab, da es den handelnden Polizeibeamten lediglich darauf ankam, den Angeklagten anzuhalten. Das Gericht betont sogar, dass „selbst wenn die Polizeibeamten mit dem Vorsatz an dem Angeklagten vorbeigefahren wären, diesen zu einer Beschleunigung auf die höchstmögliche Geschwindigkeit zu provozieren, so hätte der Angeklagte sich durch dieses – objektiv neutrale Verhalten der Polizeibehörde des Überholens – nicht provozieren lassen dürfen.“ Immerhin könne es für den Angeklagten nicht anstiftend zu einem Kraftfahrzeugrennen wirken, sofern er überholt wird (hierzu auch Nowrousian, NZV 2022, 233, 235). Siehe auch vertiefend zur rechtsstaatswidrigen Tatprovokation Beukelmann, NJW-Spezial 2018, 568.

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